Media4Care Allgemeines Nahrungsergänzungsmittel: Was steckt dahinter und wirken diese wirklich?

Nahrungsergänzungsmittel: Was steckt dahinter und wirken diese wirklich?

Nahrungsergänzungsmittel

“Lass die Nahrung dein Heilmittel und die Heilmittel deine Nahrung sein.” Empfahl schon Hippokrates in der Antike. Essen ist Medizin. Wer rechtzeitig auf eine gute Ernährung achtet, kann Krankheiten tatsächlich verhindern. Alles Quatsch und in Wirklichkeit eine Frage der Genetik? Nicht unbedingt. Die Epigenetik besagt, dass Gene in regem Austausch mit der Umwelt stehen. Sie reagieren auf unsere Verhaltensweisen, den individuellen Stresslevel und unsere Ernährung.  Einer der renommiertesten Stammzellenforscher Rudolf Jaenisch sagt bereits 2009 in einem Interview, “Was Sie heute Mittag gegessen haben, hat irgendwie seinen Weg zu Ihrem Erbgut gefunden”. Da die Ernährung einen so großen Einfluss hat, wie sieht es da mit Nahrungsergänzungsmitteln aus? 

Nahrungsergänzungsmittel – Fluch oder Segen?
Die Verbraucherzentrale sieht den Nutzen von Nahrungsergänzungsmitteln kritisch. Obwohl der größte Teil der deutschen Bevölkerung ausreichend mit Nährstoffen versorgt ist, nimmt jeder Dritte Nahrungsergänzungsmittel (Forsa-Umfrage im Auftrag der Verbraucherzentralen) ein. Das Vertrauen gegenüber Nahrungsergänzungsmitteln ist groß. Eine Umfrage ergab, dass 51 Prozent von 1001 Befragten sogar glauben, dass sie gesundheitsförderlich sind. Dabei sind viele Nahrungsergänzungsmittel schlicht wirkungslos, da kein Nährstoffmangel vorhanden ist. Hinweise und Aufklärung sind hierzu meist unzureichend, was auch das große Vertrauen vieler Menschen erklärt. Das liegt unter anderem daran, dass Nahrungsergänzungsmittel in Deutschland als ‘Nährstoffe in konzentrierter Form’ geführt werden und es keine Zulassung wie bei Arzneimitteln gibt. Ergo: die Wirksamkeit und Sicherheit wird nicht überprüft. Dafür ist ganz alleine der Hersteller verantwortlich. Trotzdem glauben, laut einer Umfrage, 83 Prozent der Käufer von Nahrungsergänzungsmitteln an einen positiven Effekt und 55 Prozent daran, dass die Produkte staatlich geprüft worden sind.

Die Verbraucherzentrale hat deshalb eine Checkliste für Nahrungsergänzung erstellt. Hier ein kleiner Auszug:

  • Klären Sie durch Ihren Arzt ab, ob Sie tatsächlich mit Nährstoffen unterversorgt sind. Er kennt Ihre Vorerkrankungen, weiß welche Medikamente Sie einnehmen und kann mögliche Wechselwirkungen von Nahrungsergänzungsmitteln mit diesen Medikamenten berücksichtigen.
  • Informieren Sie sich bei unabhängigen Stellen. Wichtige Informationen zu Nahrungsergänzungsmitteln erhalten Sie beim Bundesinstitut für Risikobewertung und beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit.
  • Überprüfen Sie Ihre Ernährungsgewohnheiten. Meist reicht schon eine Umstellung der Ernährung.  
  • Achten Sie auf die empfohlene maximale Tagesdosis. Hersteller müssen bei Nahrungsergänzungsmitteln die pro Tag empfohlene Portion angeben und darauf hinweisen, dass sie nicht überschritten werden darf. Eine zu hohe Menge von Vitamin D, beispielsweise durch mehrere Nahrungsergänzungsmittel gleichzeitig, kann zu Kopfschmerzen, Übelkeit und Appetitlosigkeit führen, im schlimmsten Fall sogar zu Nierenverkalkung und Nierensteinen.
  • Achten Sie auf die Inhaltsstoffe des jeweiligen Nahrungsergänzungsmittels. Zum Beispiel hat ein Marktcheck der Verbraucherzentrale ergeben, dass 64 Prozent der untersuchten magnesiumhaltigen Nahrungsergänzungsmittel zu hoch dosiert waren. Was mit Nebenwirkungen wie Durchfall und Erbrechen einhergehen kann. 

Zudem hat die Verbraucherzentrale unter der Rubrik “Klartext Nahrungsergänzungen” weitere interessante Informationen zusammengestellt. 

Bei allen Vorbehalten, natürlich ist Nahrungsergänzung nicht nur schlecht. Sofern eine Unterversorgung vorliegt, wie gegebenenfalls durch eine vegane Ernährung oder durch hohes Alter, ist es durchaus sinnvoll dem Mangel mit “guten” Nahrungsergänzungsmitteln entgegen zu wirken. 

Nahrungsergänzungsmittel für Senioren.
Für viele Senioren ist es zunehmend schwieriger sich ausgewogen zu ernähren. Gründe dafür gibt es viele. Zum Beispiel nimmt das Hunger- und Durstgefühl im Alter ab. Besonders bei dementen Personen ist dies der Fall. Zumal es bei Menschen mit Demenz zu einem erhöhtem Bewegungsdrang kommt und der Energiebedarf entsprechend steigt. Zudem sorgt eine geringe Darmtätigkeit dafür, dass weniger Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente aufgenommen werden. Hier können Nahrungsergänzungsmittel durchaus sinnvoll sein, um eine Unterversorgung zu verhindern. Eine Absprache mit Ihrem Arzt ist aber in jedem Fall zu empfehlen. Denn, wie schon gesagt, viel hilft nicht viel und kann sogar genau das Gegenteil bewirken. Leider nehmen 54 Prozent der Frauen und 34 Prozent der Männer Jahre Nahrungsergänzungsmittel auf Verdacht ein. Eine hoher Anteil auch überdosiert: bei 20 Prozent der weiblichen und 33 Prozent der männlichen Teilnehmer, die regelmäßig Magnesium einnehmen, war die Tagesdosis zu hoch. 

An welchen Nährstoffen mangelt es im Alter?
Häufig haben Senioren einen nachweislichen Mangel an Vitamin D, Vitamin B12 und Folsäure, sowie an Mineralstoffen wie Magnesium und Calcium sowie den Spurenelementen Eisen, Selen und Zink.
90 Prozent der benötigten Vitamin D Dosis bildet sich unter Einfluss der UVB-Strahlung des Sonnenlichts in der Haut. Da die Fähigkeit der Haut im Alter abnimmt, ist es ratsam täglich gezielt für 20 bis 30 Minuten an der frischen Luft aufzuhalten und auf Nahrungsergänzungsmittel zurückzugreifen. Fragen Sie hier auch Ihren Arzt und lassen Sie sich ausführlich untersuchen und beraten. 

Nährstoffe und ihre Wirkung im Überblick:

  • Vitamin B12 setzt sich für die Zellteilung, die Bildung der roten Blutkörperchen sowie für die Funktion des Nervensystems ein. Einen erhöhten Bedarf an Vitamin B12 haben Menschen, die Medikamente gegen Magenbeschwerden einnehmen.
  • Folsäure senkt zusammen mit den Vitaminen B12 und B6 den Homocystein-Spiegel; ist dieser zu hoch, besteht ein erhöhtes Risiko für Gefäßverkalkung, Schlaganfall und Atherosklerose. 
  • Magnesium hat einen wichtigen Einfluss auf den Energiestoffwechsel, das Herz-Kreislaufsystem, die Muskelfunktion und die Knochenfestigkeit. Ein Mangel macht sich bemerkbar durch Wadenkrämpfe, Herz-Rhythmusstörungen, Kopfschmerzen oder Schwindel.
  • Calcium wirkt sich positiv auf Knochen, Zähne, Nerven-, Herz- und Muskelfunktion aus. 
  • Das Spurenelement Eisen benötigt der Körper nur in geringen Mengen für die Versorgung mit Sauerstoff und die Stärkung des Immunsystems. Müdigkeit, Schwäche, blasse Haut und eine erhöhte Infektanfälligkeit lassen einen Mangel vermuten. 
  • Selen stärkt das Immunsystem und schützt vor freien Radikalen. 
  • Zink wirkt sich ebenfalls auf das Immunsystem aus und ist bedeutend für die Wundheilung, die Funktion der Augen, für Geruch und Geschmack sowie für die Insulinproduktion. Einen erhöhten Bedarf haben daher Diabetiker sowie Personen mit akuten oder chronischen Infektionen. Bei Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Depressionen und einer schlechten Wundheilung ist von einem Zinkmangel auszugehen. 

Achten Sie auch auf ein stabiles “Darm-Ökosystem”.
Unser Körper ist ein Gesamtkunstwerk. Alles hängt mit allem zusammen. Da gerade im Alter auch die Darmtätigkeit abnimmt, ist es empfehlenswert sich im Zuge der Ernährung mit dem Thema “Darmflora” auseinanderzusetzen. Denn ein gesundes Darm-Mikrobiom, also die Gesamtheit aller Mikroorganismen in unserem Verdauungstrakt, bildet die Grundlage für unser allgemeines Wohlbefinden. Im Darm werden unter anderem auch die meisten Nährstoffe absorbiert/aufgenommen. Aber er kann noch wesentlich mehr. Erste wissenschaftlich fundierte Hinweise zeigen sogar, dass neurologische Erkrankungen wie Alzheimer mit dem Darm-Mikrobiom zusammenhängen könnten. Sehr empfehlenswert zur Stärkung ist die mediterrane Ernährung. Ein internationales Forscherteam fand in einer Studie heraus, dass sich diese Ernährung sehr positiv auf das “Darm-Ökosystem” auswirkt. Sie fördert jene Arten von Darmbakterien, die für ein „gesundes Altern“ verantwortlich sind. Und reduziert jene Darmbakterien, die mit gefährlichen Entzündungen bei älteren Menschen einhergehen.

Quellen:
https://www.gesundheitsinformation.de/was-sind-nahrungsergaenzungsmittel.html
https://www.quarks.de/gesundheit/ernaehrung/nahrungsergaenzungsmittel-was-wir-darueber-wissen-sollten/
https://www.verbraucherzentrale.de/aktuelle-meldungen/lebensmittel/endlich-klartext-bei-nahrungsergaenzungsmitteln-13409
https://www.deutsche-seniorenliga.de/verbrauchertipps/17-vitamine-mikronaehrstoffe-und-co.html
https://anona.de/gesundheit/nahrungsergaenzung-im-alter/
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/56854/Senioren-nehmen-zu-viele-Nahrungsergaenzungsmittel-ein
https://www.myself.de/gesund/gesund-essen/
https://www.geo.de/magazine/geo-wissen-ernaehrung/47-rtkl-gesunde-ernaehrung-nutrigenetik-unser-erbgut-unser-essen
https://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/epigenetik-essgewohnheiten-schlagen-sich-im-erbgut-nieder-3319.php

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