Media4Care Allgemeines Die Pflegekasse – alles Wissenswerte für pflegende und pflegebedürftige Personen

Die Pflegekasse – alles Wissenswerte für pflegende und pflegebedürftige Personen

Pflegekasse

Als Angestellter zahlt man zwar sein Leben lang in die Pflegekasse ein, aber so richtig damit auseinandersetzen – das machen die Wenigsten, zumindest in jungen Jahren. Meist beginnt man sich das erste Mal bewusst damit zu beschäftigen, wenn ein Angehöriger plötzlich auf Pflege angewiesen ist. Dann erst stellt sich die drängende Frage, welche Kosten die Pflegekasse, sei es für einen Pflegeplatz oder ambulante Pflege, übernimmt. Die ohnehin schon belastende Situation, kann so zusätzlich anstrengend werden. Deshalb unsere Empfehlung, setzen Sie sich in jedem Fall frühzeitig damit auseinander und versichern Sie sich, falls notwendig, zusätzlich. In diesem Artikel geben wir Ihnen einen kleinen Überblick über die wichtigsten Aspekte. 

Was ist überhaupt eine Pflegekasse?

Die Pflegekasse ist Teil unseres Sozialsystems und der Krankenkasse angegliedert. Sie dient der finanziellen Absicherung pflegebedürftiger Personen. Seit Januar 2017 gibt es fünf Pflegegrade, die vom Medizinischen Dienst festgelegt werden und die jeweilige Beeinträchtigung anzeigen. Der Pflegegrad bestimmt die Leistungen, die dem Versicherten zustehen. Jeder, der Mitglied einer gesetzlichen Krankenversicherung und pflegebedürftig ist, kann beruhigt sein. Er hat in jedem Fall Anspruch auf eine finanzielle Unterstützung durch die Pflegekasse. Allerdings ist es ratsam eine Pflegezusatzversicherung abzuschließen, um das Pflegerisiko noch besser abzusichern. Hier gibt es seit 2013 auch eine staatliche  subventionierte Zusatzversicherung: den Pflege-Bahr, benannt nach dem damaligen Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr. Die Sicherung der Pflegefinanzierung kann durch eine Pflegezusatzversicherung erheblich verbessert werden. Kleiner Tipp: Es gibt zwar formal kein Höchsteintrittsalter für den Abschluss eines Pflege-Bahr-Vertrags. Aber viel später als mit 60 sollten Sie keine Pflegeversicherung mehr abschließen, da die Prämien oft stark steigen.

Was wird von der Pflegekasse übernommen?

Es gibt die unterschiedlichsten Leistungen, die dem Versicherten je nach Pflegegrad zustehen. Grundsätzlich steht jedem Pflegebedürftigen Pflegegeld zu, sofern die Person im familiären Umfeld von Angehörigen oder anderen privaten Betreuern gepflegt wird. Sollten Sie zu Hause einen Pflegedienst
in Anspruch nehmen, dann können Pflegesachleistungen beantragt und monatlich, je nach Pflegegrad, vom Pflegedienst direkt bei der Kassen in Rechnung gestellt werden. Zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen entstehen, wenn zum Beispiel Pflegesachleistungen nicht voll ausgeschöpft wurden. Alternativ werden dann haushaltsnahe Dienstleistungen, Betreuung bei Demenz von der Kasse erstattet. Pflegegeldzahlungen und Pflegesachleistungen können ebenfalls kombiniert werden. Zudem gehören je nach Bedarf, Tages- und Nachtpflege, Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege zu den Leistungen. Natürlich werden auch Hilfsmittel wie Rollatoren, Rollstühle oder Badewannenlifte erstattet. Gehören sie zum regelmäßigen Bedarf übernimmt die Pflegekasse die Kosten ganz oder teilweise. Hier lohnt es sich hartnäckig nachzufragen und sich ganz genau zu erkundigen, denn  häufig stehen Ihnen oder Ihrem Angehörigen mehr zu als auf dem ersten Blick ersichtlich ist.   

Wer hat Anspruch auf die Leistungen?
In Deutschland sind mehr als 3,5 Millionen Menschen pflegebedürftig. Tendenz steigend. Natürlich
bezieht sich diese Zahl nicht nur auf Ältere, sondern alle pflegebedürftigen Menschen. Anspruch auf Pflegekassenleistungen haben alle, die einen erheblichen Pflegebedarf durch Angehörige und/oder Pflegepersonal haben. Die Beurteilung des Pflegegrades erfolgt durch den Medizinischen Dienst der jeweiligen Krankenversicherung. Sie sind mit der Einstufung nicht einverstanden? Dann sollten Sie sich Unterstützung durch die behandelnden Ärzte holen und Widerspruch einlegen. Wird diesem nicht stattgegeben, ist der nächste Schritt die Einreichung einer Klage vor dem Sozialgericht. 

Mit Hilfe des Pflegegrad-Rechners erfahren Sie was Ihnen bzw. Ihrem Angehörigen zusteht.

Das Wichtigste im Überblick

  1. Jeder, der gesetzlich oder privat kranken­versichert ist, ist auto­matisch in der gesetzlichen Pflege­versicherung versichert.
  2. Der Beitrag zur Pflege­versicherung liegt für gesetzlich Versicherte mit Kindern bei 3,05 Prozent des Brutto­einkommens und ohne Kinder bei 3,3 Prozent.
  3. Privat Versicherte zahlen einen individuell ermittelten Beitrag. Es gibt eine gesetzliche Ober­grenze.
  4. Um Leistungen erhalten zu können, müssen gesetzlich Versicherte Pflege­leistungen bei der Krankenkasse beantragen, privat Versicherte bei ihrem Kranken­versicherer. Voraus­setzung ist, dass jemand länger als sechs Monate auf Unterstüt­zung im Alltag angewiesen ist.
  5. Pflegebedürftig­keit muss gutachterlich bestätigt werden. Für gesetzlich Versicherte ist dafür der medizinische Dienst zuständig, für privat Versicherte die Firma Medicproof.
  6. Das Pflege­gut­achten legt fest, ob und wie viel Hilfebedarf ein Mensch hat und in welchen Pfle­gegrad von 1 bis 5 er deshalb einge­stuft wird. Je höher der Pfle­gegrad, desto höher sind die Leistungen.

Das Bundesministerium hat auch die wichtigsten Informationen für Selbständige zusammengestellt. 

Was gibt es Neues?
Laut Entwurf des Bundesgesundheitsministers wird sich schon bald die Höhe des Pflegegeldes ändern! Mit Wirkung vom 01.07.2021 bekommen demnach alle Pflegebedürftigen, die Pflegegeld erhalten, 5 % mehr Pflegegeld von der Pflegekasse überwiesen.


Höhe des Pflegegeldes ab 01.07.2021 (Tabelle)


Stufe der Pflegebedürftigkeit

Pflegegeld

Pflegegrad 1

0 Euro (kein Anspruch auf Pflegegeld!)

Pflegegrad 2

331 Euro

Pflegegrad 3

572 Euro

Pflegegrad 4

764 Euro

Pflegegrad 5

946 Euro

Zur genauen Übersicht

Sie sind bei all der Bürokratie etwas überfordert?
Jeder, der einen pflegebedürftigen Angehörigen hat, weiß wie belastend die Pflege sein kann.
Völlig nachvollziehbar, dass die Beantragung der Pflegeleistungen manchmal die letzten Kräfte raubt. Damit dies nicht passiert gibt es auch hier Unterstützung wie zum Beispiel den Pflegeleistungs-Helfer des Bundesministeriums für Gesundheit. Hier erhalten Sie unter anderem auch eine Check-Liste mit Informationen zur richtigen Beantragung des Pflegegeldes. Aber auch die Verbraucherzentrale gibt Ihnen nützliche Tipps.

Quellen:
https://www.pflege.de/pflegekasse-pflegefinanzierung/
https://www.bwpn.de/pflegenetzwerk/pflegegrade/
https://pflegebox.de/ratgeber/pflege/pflegekasse/
https://www.bundesgesundheitsministerium.de/pflegegrade/so-koennen-sie-leistungen-beantragen.html
https://www.bwpn.de/pflegenetzwerk/mehr-pflegegeld-ab-2021/#:~:text=Ab%2001.07.2021%20gibt%20es%20(laut%20Ank%C3%BCndigung)%20mehr%20Pflegegeld&text=Erstmalig%20also%20im%20Jahr%202020.&text=Mit%20Wirkung%20vom%2001.07.2021,Pflegegeld%20von%20der%20Pflegekasse%20%C3%BCberwiesen.
https://www.bwpn.de/pflegenetzwerk/glossar/pflegebeduerftigkeit/

Teilen:

Was Sie auch interessieren könnte

Media4Care hat 4,61 von 5 Sternen von 67 Bewertungen vom Verband Pflegehilfe | Media4Care: Mehr Lebensfreude für Senioren