Interview: KI in der sozialen Betreuung – konkrete Entlastung im Alltag

Carsten Clanget Media4Care

Im Gespräch mit Carsten Clanget, Geschäftsführer der Media4Care GmbH

 

Wie konkret erleichtern Sie den Alltag für Betreuungskräfte mittels KI?

Unser Ansatz ist sehr praxisnah: Wir setzen KI innerhalb unserer App für die professionelle Betreuung genau dort ein, wo im Alltag Zeit verloren geht und Routinen entstehen, die viel manuelle Arbeit verursachen. Das betrifft vor allem die Planung und Dokumentation von Aktivierungsmaßnahmen sowie die Kommunikation, die aufgrund von Sprachbarrieren herausfordernd sein kann. Wichtig ist uns dabei, dass KI nicht als zusätzliches System verstanden wird, sondern dass sie direkt in bestehende Abläufe und technische Lösungen integriert wird und dort im Hintergrund unterstützt.

 

Sie sagen, die Dokumentation ist ein wichtiger Anwendungsfall – war das auch der Ausgangspunkt Ihrer KI-Entwicklungen?

Nein, tatsächlich nicht. Die Dokumentation ist ein sehr relevanter Anwendungsfall, nicht nur grundsätzlich im Pflegebereich, sondern auch speziell in der sozialen Betreuung. Zuerst standen für uns jedoch andere KI-gestützte Funktionen im Fokus.

KI unterstützt bereits heute dabei, passende individuelle Aktivierungsangebote aus der App für einzelne Senior:innen oder ganze Gruppen vorzuschlagen. Das ersetzt keine fachliche Entscheidung, kann aber im Alltag Orientierung geben und Zeit sparen.

Darüber hinaus wird die Kommunikation zwischen Senior:innen und Betreuungskräften durch die KI-basierte Übersetzungsfunktion innerhalb unserer App erheblich erleichtert. Das hilft dabei, Sprachbarrieren schnell und pragmatisch während der Nutzung der Inhalte zu überwinden. 

 

Welche spezifischen Vorteile bietet KI für die Dokumentation der Betreuungsmaßnahmen? 

Die Dokumentation bindet im Betreuungsalltag viel Zeit und bietet somit großes Optimierungspotenzial. Die KI-gestützte Dokumentationsfunktion hilft dabei, Inhalte strukturiert und fachlich korrekt zu erfassen und weiterzuverarbeiten. Neben der automatischen Dokumentation durchgeführter Maßnahmen aus der App ist mittels KI eine intuitive Spracheingabe mit Übersetzungsfunktion aus verschiedenen Fremdsprachen und Dialekten möglich. Im Rahmen von zusätzlichen Notizen, z.B. bei Verhaltensabweichungen, hilft die KI MD-konforme Formulierungen zu erstellen. In Summe bedeutet das eine Einsparung von über 30 min pro Betreuungskraft pro Arbeitstag. 

 

Wie eng sind Sie bei der Entwicklung mit der Praxis verzahnt?

Wir entwickeln KI-Anwendungen kontinuierlich und konsequent gemeinsam mit der Praxis. Das bedeutet, dass wir eng mit Pflegeeinrichtungen zusammenarbeiten und sehr konkret auf reale Arbeitsabläufe schauen. Unser Ziel ist es nicht, ein einzelnes KI-Modell für die Betreuung zu entwickeln, sondern KI-gestützte Lösungen, die in der sozialen Betreuung wirklich funktionieren und einen Mehrwert für alle Beteiligten schaffen.

 

Viele Anbieter sprechen von Integration – in der Praxis ist das oft schwierig. Wie lösen Sie das?

Unser Ansatz ist es, über Schnittstellen mit bestehenden Dokumentationssystemen zu arbeiten, damit keine parallelen Systeme und doppelte Dokumentationsprozesse entstehen. Ziel ist es, den bestehenden Workflow der Einrichtungen nicht zu verändern, sondern sinnvoll zu ergänzen.

Auch hier gilt: Integration ist kein einmaliger Schritt, sondern ein laufender Prozess, der gemeinsam mit den Technologieanbietern und den Einrichtungen weiterentwickelt wird.

 

Was ist der größte Mehrwert – und wo liegen vielleicht auch Grenzen des Einsatzes von KI?

Der größte Mehrwert liegt in der Entlastung bei wiederkehrenden Aufgaben. Wenn Dokumentation und Planung effizienter werden, entsteht mehr Zeit für die direkte Arbeit mit den Senior:innen. Gleichzeitig hat KI klare Grenzen: Sie kann unterstützen, aber natürlich keine zwischenmenschliche Interaktion ersetzen. Gerade in der sozialen Betreuung bleibt der persönliche Kontakt der entscheidende Faktor.

 

Wohin entwickelt sich KI in der sozialen Betreuung aus Ihrer Sicht?

Wir stehen hier noch ganz am Anfang. Die heutigen Anwendungen sind erste konkrete Schritte, die bereits jetzt im Alltag helfen. Gleichzeitig ist klar, dass wir noch nicht vollständig absehen können, welche Aufgaben KI in Zukunft alles übernehmen wird.

Wichtig ist deshalb ein verantwortungsvoller Umgang mit der Technologie. Neben dem Nutzen müssen immer auch Themen wie Datenschutz, Transparenz und Akzeptanz berücksichtigt werden. Und am Ende muss KI immer eines leisten: den Menschen in der sozialen Betreuung unterstützen.

 

 

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